Wo in den deutschen Medien ja zur Zeit so viel über Myanmar und Chinas Verwicklung in die Sache zu lesen ist, werde ich wohl auch mal meinen Mist dazugeben:
Bei der Entscheidung über eine internationale Verurteilung der Militärjunta in Myanmar/Burma/Birma hat China wohl dagegen gestimmt und damit eine Verurteilung vereitelt. Das ganze hat wohl verschiedene Gründe. Myanmar liegt südlich von China am Indischen Ozean. Daher ist das Land ein wichtiger Zugang für chinesische Produkte zum Weltmarkt. Besonders Produkte aus Yunnan werden häufig auf dem Landweg nach Myanmar gebracht um von dort aus nach Europa verschifft zu werden. Von daher ist der Regierung in Beijing ein gutes Verhältnis zu Myanmar wichtig. Ein weiterer Grund sind die Rohstoffvorkommen Burmas. Durch die reichhaltigen Öl- und Gasreserven wird Burma mit jedem Cent höherer Benzinkosten wichtiger für China. Besonders angesichts des weiter steigenden Energiebedarfs Chinas will man also die guten wirtschaftlichen Beziehungen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.
Auf der anderen Seite hat das chinesische Image durch die weiterhin guten Wirtschaftsbedingung mit dem Sudan und der Dafour-Region schweren Schaden genommen. Die chinesische Regierung wurde von der Internationalen Staatengemeinschaft und besonders von deren Medien aufs heftigste für diese Beziehungen kritisiert. Angesichte der verflochtenen internationalen Wirtschaft und den kaum mehr zu kontrollierenden Wirtschaftsnetzen westlicher Konzerne in den Iran, Irak, Burma, etc, etc….finde ich das zwar durchaus berechtigt, wenn auch ein wenig scheinheilig. Aber das ist wohl eine andere Geschichte.
Prinzipiell wäre dieser Imageschaden nicht weiter tragisch, wenn nur die Olympiade nicht wäre. Durch die Olympischen Spiele in Beijing möchte die chinesische Regierung beweisen, dass China nicht mehr das billig produzierende Dritte-Welt-Land ist, das in den Köpfen vieler Europäer und Amerikaner noch steckt, sondern ein hochentwickeltes High-Tech-Land, das den westlichen Wirtschaftsnationen weder technologisch, wirtchaftlich oder sonstwie unterlegen ist. Kurzum: Die Olympischen Spiele müssen perfekt sein. Und tatsächlich. Wenn man hier ist, merkt man täglich, wie viel Mühe sich die Regierung gibt, der Welt zu signalisieren, was man erreicht hat. Es gibt Programme, die die Umweltverschmutzung in den Griff bekommen sollen, Umsiedlung von Fabriken und Armenvierteln um das Stadtbild zu verschönen, es werden UBahnlinien gebaut, alle Gebäude werden – äußerlich – renauviert, die Touri-Attraktionen werden herausgeputzt, es dürfen keine neuen Baustellen mehr angefangen werden, etc. Alles soll perfekt sein.
Da kommt natürlich ein In-Frage-Stellen der moralischen Reife Chinas für die Olympischen Spiele äusserst ungelegen. Man muss sich nur auf YouTube umschauen um Videos zu finden, die aufgrund der Dafourverwicklung einen Boykott der Spiele fordern. Das Verhalten gegenüber Tibet wird schon seit Jahren kritisiert und das Einberufen des Botschafters nach dem Merkel-Dahlai-Lama-Treffen hat die Diskussion nicht beruhigt. Was Peking in dieser Situation nun am allerwenigsten gebrauchen kann ist also ein mediales Hochkochen der Myanmarbeziehungen der chinesischen Regierung. Peking sieht sich also in einer Zwickmühle. Man will weder die bestehende Regierung Myanmars verprellen, noch eine evtl. zukünftige Regierung gegen sich aufbringen und erst Recht nicht mit einem weiteren Terrorregime in Verbindung gebracht werden.
Was wird Peking also tun? Ich vermute, dass Peking die Sache aussitzen wird. In der Hoffnung, dass das mediale Interresse an den Ereignissen in Myanmar langsam abflaut wird man vermutlich nicht auf die Vorwürfe reagieren.
Meiner Meinung nach ist ein Eingreifen der chinesischen Regierung jedoch unabdingbar um die Situation des Menschen in Myanmar zu verbessern. In der derzeitigen Situation ist ein weiteres Eingreifen von UN, USA oder wem auch immer wohl kaum denkbar. Zu groß ist die Frustration der Menschen aufgrund der Situationen in Irak und Afghanistan jetzt schon. Der anhaltende Konflikt mit dem Iran, der durch Frankreichs überraschend hart gewordenen Ton nicht ungefährlicher geworden ist, nimmt die UN zu sehr in Beschlag, als dass man sich um eine weitere Krisenregion kümmern könnte. Einzig China mit seiner wirtschaftlichen Macht und seinem politischen Einfluss könnte die Situation der Myanmesen entscheident verbessern. Wenn es nur wollte.





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